Evangelische Obdachlosenhilfe
in Deutschland e.V

Reichensteiner Weg 24
14195 Berlin
Tel.: (0 30) 8 30 01-3 71
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Projektleiter und Kurator
Andreas Pitz
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An dieser Stelle finden sie die Beschreibungen der Werke, die (noch) nicht im Katalog enthalten sind.

Nur Menschen von Klaus Kohn

23.02.2012

Klaus Kohn, geb. 1957 in Rodewald/Kreis Nienburg, lebt und arbeitet als freier Fotograf in Braunschweig. In vielen seiner Portraitserienserien hat er sich mit Menschen am Rande unserer Gesellschaft befasst.

Ecce homo – Sehet, welch ein Mensch. Mit diesen Worten stellt Pontius Pilatus dem Volk den leidenden und mit einer Dornenkrone verhöhnten Gefangenen Jesus von Nazareth vor. Ein Bild der Passion. So überliefert es uns der Evangelist Johannes. Wir können in den Worten des Machthabers aber nicht nur Verachtung, sondern auch die Ehrfurcht davor hören, dass diesem Menschen eine besondere, eine göttliche Würde innewohnt.
In dieser Szene findet die christliche Grundüberzeugung ihren tiefsten Ankerpunkt, dass die Würde des Menschen, jedes Menschen, ein unverbrüchliches Gut ist. Sie hängt nicht an Macht und Erfolg, nicht an Bildung und Wohlstand, auch nicht an Gesundheit und physischer Kraft. Sie bleibt auch denen eingeschrieben, die arm und krank und an den Rand der Gesellschaft geraten sind.

Klaus G. Kohn zeigt in seinen Porträts eine besondere Sensibilität für diesen Zu-sammenhang. Indem er Hintergrund und Umgebung ausblendet, steht der Mensch ganz im Zentrum der Aufmerksamkeit. Man sieht den Gesichtern an, dass sie in durchaus extremen Lebensumständen leben. Umstände, die Spuren hinterlassen haben. Gleichzeitig schauen uns Persönlichkeiten entgegen, ästhetisch gewürdigt und aufgehoben, unverwechselbare Individuen, die Respekt verdienen, mag ihr Leben noch so fragmentiert und gebrochen sein.

In seinen Fotos entwickelt Klaus G. Kohn geradezu eine Ikonographie des Prekariats. Er zeigt Bilder des geminderten Menschseins, ohne Menschen zur Schau zu stellen. Vielmehr wird ihre ungeminderte Würde scharfgezeichnet. Auf diese Weise kommentiert seine Kunst auch die wirtschaftliche und soziale Lage in unserem Land. Der Künstler erinnert uns daran, dass der Mensch Maß und Mitte unseres Handelns bleiben muss.

Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber

Armut in Bewegung von Luigi Ciasullo

28.02.2011

Luigi Ciasullo wurde am 30. Juni 1967 in Zofingen als erstes Kind geboren, später folgte sein Bruder. Er wuchs bei seinen Grosseltern in Italien auf. Die obligatorischen Schuljahre besuchte er als Secondo in der Schweiz. Anschliessend schloss er die Ausbildung als Automechaniker ab.
»Seit ich mich erinnern kann, habe ich gezeichnet und gemalt«, sagt Luigi Ciasullo.
Von daher ist es nicht verwunderlich, dass er 1999 in Sion und Montey (Kanton Wallis)
die Lehre als Glasmaler beginnt und 2002 als „Verrier créateur“ abschliesst.
Als freischaffender Künstler organisiert er anschliessend jährlich zwei Ausstellungen, unter anderem
auch in Deutschland.
Die Kunst allein kann ihm den Lebensunterhalt leider nicht sichern; er hält sich mit temporären
Jobs in verschiedensten Branchen über Wasser. Die persönliche Betroffenheit spornt den Künstler an, sich mit dem Thema der Ausstellung »Kunst trotz(t) Armut« auseinanderzusetzen.
»Die Ideen für meine Werke kommen zu mir wie Seifenblasen, die zerplatzen,wenn ich sie nicht erfasse und künstlerisch umsetze«, sagt Luigi Ciasullo.
Für die Ausstellungsstation in Bern sind drei ganz intime Werke entstanden, eines davon ist in die bestehende Wanderausstellung aufgenommen worden. »Ich will mich sichtbar ins Bild setzen und meine persönliche Lage darstellen. Das ist meine Möglichkeit, der Armut die Stirn zu bieten.«

Das 145 x 300 cm grosse Triptychon, ausgeführt in Mischtechnik auf Leinwand, verfremdet das jeweils zu Beginn des Jahres veröffentlichte Foto des schweizerischen Bundesrates.
Die Magistraten (Mitglieder des Bundesrats) laufen eilends am Bundeshaus vorbei. Golden und farbig
leuchtet das Parlamentsgebäude und davor sitzt barfuss der Künstler als Bettler (in schwarzweiss)
mit ausgestreckter Hand, einen Hut haltend.
»AmTiefpunktmeines Lebens angelangt, hatte ich nur noch das Gefühl, alle Leute liefen an mir vorüber. Ich bekam vom Sozialstaat zwar Geld und damit Unterstützung, aber beachtet wurde ich nicht. Ich kann mich aus dieser misslichen Lage nur selbst befreien, indem ich aufstehe, mich künstlerisch ex–poniere, mein Gesicht zeige. Da ist eine Kraft, die aus meinem Innersten kommt und mir hilft, zu überleben.« so Luigi Ciasullo zur Entstehung seines Kunstwerkes.
Hans-Ulrich Stoller

Freiheit, Gleichheit, Arbeit! Arbeit statt Almosen!

13.12.2010

Freiheit, Gleichheit, Arbeit!
Arbeit statt Almosen!

Annette Günter, Jahrgang 1978, lebt und arbeitet in Darmstadt und Offenbach.
Sie studierte an der Hochschule Darmstadt Kommunikationsdesign, nachdem sie bereits eine Fotografenausbildung am renommierten Foto und Medien Forum in Kiel abgeschlossen hatte.
Gesellschaftliche und soziale Themen liegen der Fotografin besonders am Herzen.
Das Projekt Freiheit, Gleichheit, Arbeit ist aus dem Wunsch heraus entstanden etwas Allgemeinnütziges auf die Beine zu stellen. Sie wollte ihr direktes Umfeld bewusst positiv beeinflussen. Die Diplomdesignerin: "Deswegen ging ich dabei auch nicht zu irgendeiner Anlaufstelle für Obdachlose, sondern in die Teestube KONKRET, die kaum 50m von meiner eigenen Haustür entfernt liegt, die MitarbeiterInnen und BesucherInnen dort waren sehr offen für meine Idee und sehr kooperativ." Insgesamt 5 ehemalige und derzeitige wohnungslose Frauen und Männer haben bei der Entstehung des Bildes engagiert mitgewirkt.
Annette Günter möchte mit „Freiheit, Gleichheit, Arbeit! -  Arbeit statt Almosen!“ auf eine gesellschaftliche Schieflage aufmerksam machen und zum Nachdenken anregen.
Sie fragt sich: Welchen Wert hat ein Mensch, wenn er keine Arbeit hat, mit der er sich identifizieren kann?
Aus der Bildidee entstand ein Bild im Format 3,00m x 2,00m, das Motiv ist mittlerweile aber auch als Postkarte und Poster erhältlich.

Text: Frank Hillerich , Dipl. Sozialpädagoge, Teestube KONKRET, Darmstadt